Zum Thema Tod und Abschied kommt mir immer wieder diese Stelle aus Saint-Exupérys "Der kleine Prinz" in den Sinn, als der kleine Prinz kurz vor (seinem) Ende folgendes aussprach:
"Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können!
Und wenn du dich getröstet hast (man tröstet sich immer), wirst du froh sein, mich gekannt zu haben. Du wirst immer mein Freund sein. Du wirst Lust haben, mit mir zu lachen. Und du wirst manchmal dein Fenster öffnen, gerade so, zum Vergnügen... Und deine Freunde werden sehr erstaunt sein, wenn sie sehen, dass du den Himmel anblickst und lachst. Dann wirst du ihnen sagen: 'Ja, die Sterne, die bringen mich immer zum Lachen!' "
Erinnerungen sind alles, was wir von unseren Freunden, Familienmitgliedern und anderen lieben Menschen haben, wenn sie uns verlassen. Ich habe dieses Jahr viel mit Erinnerungen verbracht, weil sie meine einzige Gelegenheit waren und sind, von einem geliebten Menschen Abschied zu nehmen. Als er plötzlich verstarb, wurde mir nicht die Gelegenheit gegeben, mich zu trennen und den Gedanken zu verarbeiten. Und es tut mir bis heute unendlich leid, dass ich nicht da war, als der Zeitpunkt gekommen war...
mandarine - 1. Nov, 23:56 - abgestellt in
geklaute Weisheiten
Österreich, November 2004.
Die Sonntagsmesse ist zu Ende, der Pfarrer verabschiedet die Seinen mit Segen nach Hause. Nach Hause? Nein, der Großteil der Gottesdienstteilnehmer strömt nach dem Kirchgang keineswegs in die eigenen Mauern zurück.
Am Kirchplatz wird getratscht, gegrüßt, man schaut, wen die Augen erblicken. Es wird gekniffen und in die Seite gestupst, anstatt jemanden direkt anzusprechen, es wird gelacht und gleichzeitig wird über die mangelnde Organisation so mancher vorangegangener Messe gesprochen. Viele Köche verderben den Brei, so die einheitliche Meinung. Die Gemeindepolitik tut sich an einem stillen Plätzchen zusammen, man merkt: Es liegt was in der Luft.
Wenige Zeit darauf brechen die ersten aus dem Gefüge, sie ziehen Richtung Auto und mit diesem gen Friedhof. „Weil Festtag Allerheil`gen ist“, so sang der Chor noch vor wenigen Minuten. Weil heute Festtag ist, weil wir heute (und morgen) der Verstorbenen gedenken, die einst auch in unseren Reihen mit uns schwätzten, den Blick über den Kirchplatz streifen ließen und vielleicht auch politische Entscheidungen nach der Sonntagsmesse trafen.
Aber warum erinnern wir uns nur an diesem Tag im Jahr daran, dass wunderbare Menschen schon aus unserem Leben gingen? Warum ist es zwar für alle selbstverständlich, am 1. und 2. November die Gräber zu besuchen, sonst aber nur zu besonderen Zeitpunkten? Lebt denn ein verstorbener Mensch in meinen Gedanken und Erinnerungen nur zu Weihnachten, Allerheiligen und an seinem eigenen Geburtstag weiter?
Manchmal kommt es mir so vor, als wollten wir die übrigen Tage im Jahr bewusst auf das vergessen, was früher einmal war, was auch unsere eigene Vergangenheit kennzeichnet.
Ich wehre mich mit aller Vehemenz dagegen, nur an durch den Kalender bestimmten Tagen in meine Vergangenheit zurück zu kehren. Und ich weigere mich, den Allerheiligen-Tourismus mit zu machen.
Ich werde die Gräber meiner Liebsten besuchen, so wie ich es auch sonst mache, wenn ich angenehme aber auch traurige Erinnerungen habe, wenn ich etwas loswerden möchte oder wenn ich auch einfach Zeit für Gedanken brauche. Ich werde weiterhin nicht auf den Menschen vergessen, der unter dem schweren Stein begraben liegt, und die kleine flackernde Flamme der Kerze als Zeichen des lebendig geworden Seins sehen.
Auch heute. Aber fernab jeglicher auf den Friedhof verlegter Familientreffen und fernab des Preises um die beste, auffälligste und am meisten schreiende Grabdekoration, die mit dem Menschen, an den sie erinnern soll, nichts zu tun hat. Ich weigere mich.
mandarine - 1. Nov, 11:32 - abgestellt in
aufgefallen
Nach etwa 8 Stunden Chaossortieren - berufliche Einzelzettelchen noch gemischt mit Schulunterlagen und sonstigen damals und auch heute wichtigen Blättern, Notizen, Aussagen - kann ich mir denken, warum ich mich bisher ziemlich unbewusst dagegen gesträubt habe, dem "Chaos" ein Ende zu machen.
In diesen Papiermassen stecken nämlich nicht nur leblose Schriftstücke, sondern ganz viele persönliche Erinnerungen, schmerzhafte, wunderschöne und einfach solche, die ich aus einem anderen Grund nicht hergeben will. Da sind aus tiefen Gesprächen Einzelteile ausgedruckt, da sind kleine Briefchen von Mitschülern dabei, wenn es mir besonders schlecht ging, da sind Erinnerungen an so vieles beigemischt, das ich teilweise froh bin erlebt zu haben und das ich trotzdem nicht mehr mitmachen möchte. In den chaotisch anmutenden Bergen steckt die Wahrheit, die Wahrheit über mich, ein Stück Zeitgeschichte.
Ein Schritt weiter, zu begreifen, wer oder was in mir steckt.
mandarine - 31. Okt, 22:00 - abgestellt in
Matrix
Eben hab ich über ein halbes GB an Musik gelöscht - nur das, was sich doppelt im iTunes versteckte. Nebenbei noch die längst fällig gewordenen Wiedergabelisten eingerichtet und befüllt.
Jetzt kanns losgehen, zu allererst aber mit handmade music....
mandarine - 30. Okt, 23:51 - abgestellt in
aufgefallen
Leben nach Murphy:
Wenn es wo drunter und drüber geht, dann steckt eine Person garantiert mittig im Chaos: ICH.
Kann damit ja halbwegs umgehen, schließlich sorge ich selber ja auch oft genug für das besagte Chaos. Nur langsam könnte mal Sturmpause sein, es wird definitiv Zeit...
mandarine - 28. Okt, 22:28 - abgestellt in
gel(i)ebtes Chaos
Herumlaufen im Regen, gemeinsam noch unten raus tropfend essen gehen, nein: laufen. Das Wasser an den Bullaugen runter rinnen sehen, sich Träume ausmalen. Träume in einer für viele Menschen unbekannten Sprache.
Sich stundenlang nicht von seinem Stuhl wegbewegen, versunken in die Welt der Musik und Worte. Gemeinsam sein, die Wärme direkt spüren, sich aufgehoben fühlen.
Gemeinsam durch eine Mach-mit-Ausstellung zischen, zwei Leute, zwei Gedankenstränge, gleiches schnelles Tempo. Sich ergänzen in Wissen und Erfahrung, Gedanken des anderen erahnen, Gesehenes und Geträumtes verknüpfen und in der ureigenen Weise besprechen. Sehen, warum die Erde doch flach ist und nicht dafür ausgelacht werden.
Blitzaktionen einleiten, spontan machen, was man für nötig hält. Quer durch Haus und Stadt, sich beeilen, dass die Läden nicht sperren ehe man da ist. Wieder einmal über das Kopfsteinplaster im Schnoor rumpeln, Erinnerungen im Kopf.
In der Abenddämmerung am Weserwehr stehen, den Wassermassen zusehen, wie sie sich in die Tiefe bohren. Die Gischt beobachten, das feine Wasser in der Luft spüren. Wasser von allen Seiten, wenn plötzlich wieder Regen einsetzt.
Um den Küchentisch sitzen, zu zweit, zu mehreren, andere die stehen, auf den Arbeitsplatten sitzende. Küche als Aufenthaltsort, Raum des ständigen Wechsels, der doch immer gleich bleibt, als Raum der Inspiration und Diskussion. Freie Meinungsäußerungen, Umgang mit Kritik, Visionen spinnen, sich gemeinsam über die Welt und ihre Menschheit lustig machen. Kalter Kakao neben Platons Lehre, spritzendes Fett neben Tiefenpsychologie, alles mit einem Hauch von Gewürzen in der Luft gepaart.
Arbeitszimmer, ein sauberes, klare Strukturen, klare Gedanken, Telefonzimmer. Nebenan das Gegenteil, ein Wand an Technik. Kram und Unordnung gespickt mit Schreibgeräten und Kaffeetassen. Mitten im Chaos ein Wippstuhl von Ikea. Ein Raum, der am Rande des Hauses doch der energetische Mittelpunkt ist, in dem das Chaos zur Ruhe finden hilft. Einschlafen, wippend während von Kindern gemachte Videoclips von der Kamera auf den Rechner laufen, besser als manche Werbeagentur sie vom Inhalt her schaffen könnte.
Geborgenheit und echte Freunde, ein gutes Gespann.
mandarine - 26. Okt, 15:23 - abgestellt in
Urlaubskiste